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Trockenmauer auf unseren Inseln

Suhozidi - Trockenmauern, Dry stole walls

 

            Die Trockenmauer ist eines der wertvollsten Elemente des materiellen Kulturerbes der Insel. Sie wurden schon in der Urgeschichte zum Schutz der bebaubaren Flächen erbaut. Diese Bauweise ohne Bindemittel, besondere Technik der Steinfügung, wird auf Čakavisch (Bodulisch) gromača genannt. Gebaut wur- den sie auch zur Kennzeichnung der Weiden- grenzen, so dass Tausende von Kilometern der zur Trockenmauer zusammengestellten Steine die Landschaft von Cres änderten und humanisierten. Durch das Wohnen auf der Insel und die Aneignung eines Teiles der Natur haben die Menschen eine neue Land- schaftsstruktur geschaffen.


           Elementares Verständnis der Natur bedeutete auch Verschmelzung mit ihr, die Trockenmauer trennt, kennzeichnet die Grenze, aber auch verbindet, ermöglicht den Durchgang, die Kommunikation durch Tore, Öffnungen (škuje) in der Trockenmauer, durch Steinstufen (skaline) und Holzleiter (stervice). Sie diente in erster Linie dazu, das Weg laufen der Tiere auf benachbarte Parzellen zu verhindern. Im Hinblick auf die Bauweise gibt es mehrere Typen von Trockenmauern. Sie können unjule oder duple sein; in einer oder zwei Reihen. Die erste Reihe der Steinblöcke ist etwa 10 cm in den Boden eingegraben. Das ist die Basis der Trockenmauer, die Höhe dieses Teiles hängt vom Terrain und verfügbaren Stein ab. Darauf werden längere Flachsteine (pokrivača) gelegt, auf die dann in einer Reihe Steinblöcke bis zur gewünschten Höhe gestellt werden. Auf diese Basis wurde die Trockenmauer in zwei Reihen aufgebaut. Die Zwischenräume wurden mit Steinchen (piflo)  ausgefüllt, die Bindefunktion haben und duplica (doppelte Trockenmauer) halten.


           Die Trockenmauer in einer Reihe wird unjula genannt. Der obere Teil ist meist geradlinig, kann aber auch ozubi (Krone) haben. Das sind eingebaute, schräg gelegte, nach innen ragende längliche Steine, die den Menschen und Tieren das Überqueren erschweren.


           Die Höhe der Trockenmauer reicht üblicherweise bis zur Menschengröße, abhängig vom Zweck der Parzelle, vom Terrain, vom verfügbaren Material und von der Arbeitskraft. Im mittleren und nördlichen Teil der Insel sind die Trockenmauern höher als im Süden der Insel. Die Art, Form und Größe der Steine bestimmt auch die Bauweise. In der Regel sind die größeren Steinblöcke in den tieferen und die kleineren in den höheren Schichten der Trockenmauer. Wie der Stein zu legen ist, schräg, senk- oder waagerecht, hängt von der Form des Steines, aber auch von der Fertigkeit, dem Wissen und den Erfahrungen des Baumeisters ab. So ist jede Trockenmauer eigentlich ein Unikat, eine Geschichte über die Kunst des Bauens, über die Beziehung zur Arbeit, über Geduld … aber auch über die Natur selbst. Jeder Stein wird gemessen und gedreht, es besteht ein feines und präzises Gespür, das ihnen sagt, wo der Schwerpunkt des Steins ist und wo seine Berührungsflächen sind. 

 

           Die Bauweise ist nicht gleich überall auf der Insel, denn Steine haben unterschiedliche Formen und Strukturen. Der Stein ist so zu legen, dass er zwischen benachbarten  Steinen gut fixiert ist und mit der Hand nicht herausgezogen werden kann. »Vajâ stavit kamik kako pita. Dobro ga inkunjat« So wurden z. B. flache Steine senkrecht dicht nebeneinander oder unter kleinem Winkel gestellt, so dass die Trockenmauer wie eine feste Mauer aussieht. Runde in Reihen aufgestellte Steine ähneln der Spitze, die durch Jahrhunderte dem Wind und Regen trotzt. Einige Besitzer der Parzellen waren dafür bekannt, dass ihre Trockenmauern sehr ordentlich und geradlinig sind. Auf den Parzellen, die nur als Weiden dienten und keinen Durchgang (Tor) in der Trockenmauer hatten, ließ man eine Öffnung (škuja), die mit größeren Steinen zugedeckt wurde. Die Größe von škuja entsprach der Horngröße der Schafböcke, so dass die Schafe durchgingen konnten, wenn sie getrieben wurden (...su kada se premestilo ofce mogli pasat...) Beim Bau von škuja wurde zwischen zwei größeren starken Steinen, halb Meter starken Steinen, halb Meter voneinander entfernt und in gleicher Höhe, eine längere Steinplatte  gestellt und die Trockenmauer wurde wie üblich weitergebaut.


           Um dem Menschen das Überqueren der Trockenmauer zu erleichtern, wurden auf einer Stelle, gewöhnlich nahe der Öffnung (škuja) Steintreppen (skaline) gebaut, indem längere Flachsteine treppenförmig an beiden Seiten der Trockenmauer eingebaut wurden. Einfacher und von kurzer Dauer war es, Holztreppen (stervice) an die Trockenmauer anzulehnen.
An die Trockenmauern oder meistens eigenständig neben Wegen stellten sie mit Steinplatten Rastplätze (pocivalići, oder pocivãlišća auf Gerbin) auf. Diese Steinpostamente, sogar mehr als einen Meter lang, etwa 1,5 m hoch und zwei Steine breit, dienten zu einer Atempause der Arbeiter (težaci), wenn sie mit Last (breme) nach Hause gingen.
Trockenmauern wurden bei der Verteilung des Erbes neu aufgestellt. Da dies eine mühevolle Arbeit ist, versuchte man, die Erbschaft einfacher zu gestalten. Die Bauweise hat sich durch Jahrhunderte nicht geändert, und diese Fertigkeit wurde von Generation zu Generation übertragen, so dass sich Kinder schon sehr früh ihre Eltern beobachtend und mithelfend die Bauregeln aneigneten. Kinder lernten auch spielend, indem sie Miniatur-Trockenmauern (mergar) bauten.

           Um Trockenmauern im guten Zustand zu erhalten, sollte man umgestürzte Stelle der Trockenmauer zudecken (zagradit laz), herausragende Steine (tarbuh gromače) zurück auf den Platz bringen, gefallenen Stein wieder aufstellen.


           Als doppelte Trockenmauern umstürzten (kad se dupla gromača razvaja), war es üblich, dass beide Besitzer zusammen die Trockenmauer aufstellten (dvigla gromaču). Bei unjula hat den umgestürzten Teil derjenige repariert, der zuerst kam oder dessen Schafe auf die benachbarte Parzelle wegrannten. Da nicht alle Besitzer gleichermaßen fleißig und gewissenhaft waren, sagte man für einige … boje da ne kunfinaš šnjin.


           Bei lang anhaltenden Regenfällen stürzten Trockenmauern häufiger um, und man musste danach die Parzellen besichtigen (obahajat). Zagradit laz bedeutete, alle Steine, die nicht fest standen, wieder so aufzustellen, dass jeder Stein fest in der Mauer sitzt. Bei größeren Steinmengen erforderte dies viel Zeit und Geschick. Errichtung, Wiederaufstellung und Erhalt der Trockenmauern hängt vom Geschick des Einzelnen ab, so war es in der Vergangenheit und ist auch heute noch. Dass immer weniger Menschen Schafzucht betreiben, sieht man auch nach vielen verlassenen Trockenmauern. In den letzten zwanzig bis dreißig Jahren werden umgestürzte Teile der Trockenmauern nicht mehr so eifrig wie früher wieder aufgestellt, sondern oft nur mit Reisig zugedeckt, um so den Schafen das Wegrennen auf die benachbarte Parzelle zu verhindern.


           Statt die Trockenmauern zu reparieren, werden an manchen Stellen an Holz - oder Eisenpfahle befestigte Netze oder Drähte aufgestellt. Plot, d. h. wie ein Zaun aufgestellte und gefestigte Äste ersetzen an manchen Stellen die Trockenmauern oder dienen als vorläufiger Zaun.


Schäfer kümmerten sich regelmäßig um Trockenmauern, und immer wenn sie bei der Besichtigung ihrer Schafe umgefallene Trockenmauer (laz) auf anderen Parzellen vorfan den, sagten sie es dem Besitzer oder stellten selbst die Trockenmauern auf. Sie benach richtigten auch die anderen, immer wenn sie Schafe auf fremder Parzelle oder auf dem Weg sahen. »Sada pasaju ko da ni niš …nanka da bi hitil kitu ili baren javil. Ma ne si …neki jave… te zove. Ko najde tuju ofcu ju sputi ili stira nazad u ograjicu. « Noch immer kümmert sich ein Teil der Schäfer auch um die Trockenmauern auf ihren Parzellen. Das gilt in großem Maße für ältere Schäfer, ist aber nicht die Regel. In den letzten etwa zwanzig Jahren bleiben immer mehr Trockenmauern, die zum Teil ein stürzen, unrepariert und verfallen mit der Zeit. Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass es immer weniger aktive Schäfer, aber auch einfachere und schnellere Lösungen, wie Netz und Draht gibt.

 

Beitrag zur Untersuchung der traditionellen Schafzucht auf der Insel Cres

Autor: Marina Jurkota Rebrović

 

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